#104 — Fotografie als Schreibimpuls

Fotographie als Schreibimpuls

Anders als in Schreibidee #9 (Fotogeschichte) geht es hier um deine spontane Reaktion auf eine fremde oder fremdgewordene Fotografie. Vielleicht ist es ein altes, irgendwo in einer Schublade gefundenes Foto, dessen Anlass du schon vergessen hast. Ein biografisches Rätsel. Oder eines der Milliarden Internet-Bilder, das gerade jetzt eine besondere Schwingung, eine Resonanz, in dir hervorruft.

Um zu wirken, muss das Bild vielleicht vom Rest der Bilderflut getrennt werden, mir der wir es täglich zu tun haben. (So ist es auch mit Texten.) Darum füge ich hier zusätzlich zum Titelbild dieses Beitrags nur ein weiteres Bild ein, keine ganze Galerie.

(c) urimua

(Urheberin und »Leihgeberin« beider Fotografien ist Urimua, deren E-Mail mich auch auf diese Schreibidee brachte.)


Schreibidee #104: Betrachte die Fotografie genau und beschreibe sie. Welche Reaktion/Resonanz ruft sie in dir hervor? Mit welchem Lebensereignis bringst du sie in Verbindung? Schreibe darüber.


[Wie immer fände ich es schön, wenn du deinen Text zu dieser Schreibidee unten in die Kommentarbox kopieren und hochladen würdest. Damit gibst du zugleich dein Einverständnis für die Veröffentlichung auf diesen Internetseiten. Gerne kannst du dafür auch ein Pseudonym oder nur deinen Vornamen angeben.]

1 Kommentare

  1. „Tauben, das sind doch nur Tauben!“ Mein kleiner Sohn, drei Jahre alt, hat ängstlich die Augen aufgerissen, keinen Schritt will er weiter gehen. Etwa 50 Tauben sind unmittelbar vor uns, picken nach Essensresten, fliegen hoch, landen wieder. Ich ziehe an seiner Hand, wir sind in Eile, müssen zum Augenarzt hier in der Stadt. Er beginnt zu weinen. Ich versuche ihn zu beruhigen, aber er wirft sich auf den Boden, bäuchlings, die Hände schützend über dem Kopf. Diese gackernden, pickenden, hektisch auffliegenden, federraschelnden Tauben haben ihn zu Tode erschreckt. Er weint so sehr, dass meine tröstenden Worte nicht zu ihm durchdringen. Ich nehme ihn auf den Arm, er birgt seinen Kopf an meinem Hals. Ich umarme ihn beschützend, schnellen Schritts jage ich durch die Taubenmeute, mein schluchzendes Kind eng an mich gepresst.

    Es dauert viele Wochen, in denen wir
    gemeinsam Fotos von Tauben auf dem Handy ansehen und kleine Videos. Ich versuche eine Desensibilisierung in Eigenregie. Irgendwann entdeckt mein Sohn, dass er weiße Hochzeitstauben recht sympathisch findet und es geht aufwärts mit dem Thema.

    Heute sind ihm Tauben ziemlich egal.

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