#106 — Ein Sommer

Sommer am Strand

Der Sommer ist die Jahreszeit, in der wir der Alltagswelt am weitesten entfliehen können (und wollen). Als ich ein Kind war, fühlten sich die großen Ferien endlos lange an, die Zeit schien stillzustehen, ich selbst rückte in den Mittelpunkt der Welt. Das Wort »Urlaub« kommt von Erlaubnis. Der Erlaubnis, fortzugehen, von Pflichten befreit sich dem Eigenen, vielleicht dem Eigentlichen zuwenden zu können.

Dass »Sommer« mehr bedeutet als ein Abschnitt im Kalender oder eine bestimmte Wetterlage drückte Daniel Dickopf von den Wise Guys so aus („Jetzt ist Sommer“, auf Youtube nachzuhören):

Jetzt ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert,
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert.
Es ist Sommer, ich hab das klar gemacht:
Sommer ist wenn man trotzdem lacht.

Oder stimmungsvoller:

Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riecht’s nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie groß und grenzenlos ist die Idylle …

Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Irgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

Erich Kästner, aus: „Der August“

Pick dir einen Sommer heraus, den du erlebt hast, einen Kindheits-, Jugend- oder Erwachsenensommer. Suche dir einen Ort darin aus, am Strand, in den Bergen oder zu Hause, auf Balkon oder im Garten. Wie hat es sich angefühlt, dort zu sein, damals Zeit zu haben? Warst du allein, zu zweit, mit vielen zusammen?


Schreibidee #106: Schreibe die Geschichte eines Sommers.


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1 Kommentare

  1. Helga F.

    Sommer
    Wie riecht der Sommer meiner Kindheit: nach trockenem Heu und abgeerneten Getreidefeldern über die warmer Wind streicht und diesen besonderen Duft nach Staub und Hitze verbreitet.
    Wie schmeckt der Sommer meiner Kindheit: nach säulich-saftigen Kornäpfeln und nach zuckersüßen Heidelbeeren, die wir in Honigeimern gesammelt haben und am Straßenrand versuchen für ein paar Pfennige zu verkaufen. Unsere blauverschmierten Münder sind die beste Reklame, wie gut die Waldfrüchte schmecken. Aber wir werden kaum welche los; wer welche braucht, geht selbst in den Wald, sie mit dem Beerenkamm zu pflücken. Was wir nach Hause bringen wird unter den Pfannkuchenteig gemischt und zu köstlichem Hoiber Datschi verbacken. Und noch einmal gab es blaue Leckermäuler.
    Die Sommerferien schienen ewig zu dauern, die Tage waren im wahrsten Sinne eine „lange Weile“ … – Wir lagen auf dem Hügel an der nahen Bundesstraße im hohen Gras, kauten Sauerampferstängel und zählten die Autos, die ab und zu vorbei fuhren. Vielleicht haben wir auch versucht zu erraten, welcher Autotyp als nächstes auftauchen könnte, ein Opel Rekord, schon eher ein VW Käfer oder ein Goggo, ein Mercedes kam selten vorbei, wer entdeckte als erster einen … Hat es je geregnet? Die Sonne schien doch von morgens bis abends, bis wir nach Hause liefen, gerade noch ein Butterbrot – bitte keine Tomate obendrauf, lieber mit Zucker bestreut – verschlingen konnten und müde ins Bett fielen. Von draußen hörte man nur noch die Stimmen der Erwachsenen, die sich im Hof darüber unterhielten, was morgen wieder zu tun war – und wir träumten uns in den nächsten langen Ferientag, an dem wir uns am Bach auf dem Anger treffen wollen…

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