Postkarten

#20 — Postkartengeschichten

Postkarten sind eine gute Inspirationsquelle — ob es die eigenen sind, die man bekommen oder nicht abgeschickt hat, ob sie beschrieben wurden oder nur gesammelt. Oder ob sie, wie in diesem Fall, aus fremden Quellen stammen und aus Nachlässen, Flohmärkten, aus dem Altpapier gerettet wurden. Wenn Sie keinen Stapel alter Postkarten zu Hause haben, können Sie hier welche herunterladen und entpacken.

Schreibidee #20: Wählen Sie aus einem Stapel fremder Postkarten diejenige aus, deren Motiv Sie am stärksten anspricht. Lassen Sie sich von Ihren spontanen Einfällen leiten und schreiben Sie einen Text, dessen erste Sätze so beginnen:
»Ich war einmal …«
»Dort habe ich …«

Hinweis 1: Sie müssen nicht über den Ort schreiben, der auf der Karte zu sehen ist. Es geht um Ihre Assoziationen. Es könnte sich auch um eine Orts-Metapher handeln, einen inneren »Ort« oder den Ort einer Begegnung.

Hinweis 2: Auch wenn der zweite Satz mit »habe« beginnt, sollten Sie nicht den gesamten Text in der zusammengesetzten Vergangenheit (Perfekt) schreiben. Das Präteritum ist meistens die schönere Erzählzeit.

[Wie immer fände ich es toll, wenn Sie Ihren Text zu dieser Schreibidee unten in die Kommentarbox kopieren würden.  Damit geben Sie zugleich Ihr Einverständnis für die Veröffentlichung auf diesen Internetseiten. Ich wünsche Ihnen viele Leser — und reichlich hilfreiches Feedback.]

 

 

5 Kommentare zu “#20 — Postkartengeschichten

  1. Ich war einmal in Hannover. Dort habe ich die Messe Cebit besucht. Ein Freund begleitete mich. Wir waren getrennt angereist und trafen uns zunächst am Hauptbahnhof. Von dort fuhren wir mit der Stadtbahn zur Messe.
    Die Messe war wenig spektakulär. Für Werbemitteljäger gab es sicherlich einiges zu holen, doch für den Ottonormalverbraucher, der sich gerne informieren wollte und nicht so tief in der IT-Thematik drin steckte, war es eher langweilig. Es wurden eher Unternehmenslösungen angeboten und vorgestellt.
    Wir hielten es ein paar Stunden auf der Messe aus, fuhren dann aber zurück in die Stadt, um unser wohlverdientes Abendessen einzunehmen. Da wir uns kaum auskannten, vertrauten wir auf Google Local. Den Thailänder, den uns Google vorgeschlagen hatte, probierten wir aus und waren mehr als zufrieden.
    Nun ging es an den Heimweg. Zu jener Zeit machte ich mir keine Gedanken, wann Busse oder Straßenbahnen fuhren. Ich ging einfach zur Haltestelle, ich würde schon an meinem Ziel ankommen.
    Meine Unterkunft lag in einem Vorort von Hannover. Ziemlich weit entfernt von der Innenstadt, was mir beim Buchen so nicht bewusst war. Es würden ungefähr 45 Minuten Fahrtzeit vor mir liegen. Ich hatte Glück im Unglück. Ich nahm zuerst eine Stadtbahn und erreichte das letzte Anschluss-Sammel-Taxi, das mich mit zu meinem Zielort nahm. Ich frage mich heute, wie ich so naiv sein konnte, den Fahrplan nicht vorher zu checken. Im Rückblick muss ich aber zugeben, es war ein Abenteuer, das dem Leben Lebendigkeit gab. Ich möchte diese nächtliche Tour mit dem ÖPNV nicht missen. Noch heute denke ich gerne daran, und erzähle davon gerne als Anekdote.

    • Stefan Kappner

      Liebe/r Dani,
      vielen Dank für Ihre interessante und auch ein wenig spannende Geschichte.
      An drei Stellen habe ich etwas lektoriert. Bemerken Sie die Veränderungen? Ich hoffe, Sie sind damit einverstanden.
      Die Geschichte würde noch etwas spannender werden, wenn Sie den Satz „Ich hatte Glück im Unglück.“ weglassen oder nach hinten stellen würden. Der ist so etwas wie ein „Spoiler“, der dem Leser das Ende verrät, anstatt ihn „mitfiebern“ zu lassen.
      Schön wäre es auch, noch etwas über den Moment zu erfahren, an dem Ihnen klar wurde, dass Sie vielleicht nicht zurück kämen. Bekamen Sie Angst, oder ärgerten Sie sich?
      Herzliche Grüße,
      Stefan Kappner

      • Hallo Herr Kappner,
        vielen Dank für die lektorierten Stellen. Ich bin damit einverstanden. Danke auch für den Tipp, wie die Geschichte noch spannender werden würde und den Hinweis, dass es für den Leser interessant wäre, meine Gefühle in der nächtlichen Situation zu erfahren.
        Viele Grüße
        Daniela Schneider

  2. Cordula

    Ich war einmal in meinem innersten Glück. Dort habe ich „Ja“ gesagt – Ja zu mir, zu dir, zu uns, zur Zukunft, zu den Träumen, die erst gemeinsame werden sollten, ja zu einem zauberhaften Neuanfang.

    An diesem Tag wollte ich meine liebste Kleidung tragen und hüllte mein Gesicht in den Zauberschein eines unendlichen Lächelns. Ich war früh aufgestanden und mir schon auf der Bettkante direkt der Wichtigkeit des Tages bewusst geworden. Niemals zuvor war ich so aufgeregt vor einer Begegnung und gleichzeitig so ruhig und sicher, als stünde ohnehin schon fest, was erst später am Tag wahr werden sollte. Ich brauchte nicht länger im Bad als sonst, denn nein… so war ich noch nie. Ich kochte mir einen Kaffee und schaute vom Balkon in das Lokal herüber, in das wir gehen würden. Eine Verabredung zum Frühstück, wie banal eigentlich und doch für diesen Tag ALLES. In meinen Rucksack packte ich einen hübschen Gesprächsanlass, falls uns wider Erwarten die Themen ausgehen sollten. Das war dein Wunsch gewesen, mehr weil du meine Arbeit interessant fandest – mit dem netten Nebeneffekt aber, dass Plan B unter dem Tisch in der Tasche parat läge. Doch nach all den Telefonaten dieser Woche ahnte ich, dass mir mit dir ein Leben lang niemals die Themen ausgehen würden, dass wir alles teilen konnten von der blödesten Banalität über die großen Sorgen bis hin zu den privatesten Glückseligkeiten. Oh, wie freute ich mich auf dich! Ob du pünktlich sein würdest? In wenigen Minuten war es elf. Ich trat von der Balkontür zurück, obwohl ich wusste, dass es bei dir keine Rolle spielte, ob du mich warten sahst oder nicht.
    Dann hörte ich die Türklingel, drückte auf den Summer, öffnete die große schwere Wohnungstür und sah dich die wenigen Stufen zu mir hochgehen. Da warst du also, der Mann mit dem ich die ganze Woche telefoniert hatte, der mich mit Emails und sogar mit Schweigen am Telefon verzaubert hatte. Es gab dich auch in echt. Du standst vor meiner Wohnungstür und lächeltest mit derselben Mischung aus Aufregung und Ruhe, die ich beim Aufwachen bei mir gespürt hatte. Du solltest „meiner“ werden – was war ich glücklich!

    • Stefan Kappner

      Liebe Cordula,
      herzlichsten Dank für Ihren poetischen Text. Ein „heiliger“ Erinnerungsort, zu dem Sie sicherlich von vielen Postkarten aus reisen können. Wie die Postkarte genau aussah, die Sie zu diesem Text inspirierte, darauf kommt es gar nicht so sehr an.
      Interessant finde ich, wie Sie es schaffen, Persönliches zu transportieren und dabei diskret zu bleiben. Für Texte, die im Internet veröffentlicht werden, ist das eine gute Anregung.
      Beste Grüße,
      Stefan Kappner

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