Monat: November 2018

#32 — Und dann war Schluss!

Manchmal ist eine Grenze überschritten, hinter der es nicht mehr weitergeht.
Die Belastung ist zu groß, die Langeweile unerträglich: Jetzt muss Schluss sein. Manche dieser »Enden« in unserem Leben planen wir mit kühlem Kopf, von langer Hand. Andere überraschen uns selbst, nach einem schlimmen Abend, einer Enttäuschung oder einer unverschämten Bemerkung sagen wir: Jetzt ist Schluss!
Und dann sind wir froh, dass die überfällige Trennung von Mensch, Job, Ort oder Gegenstand endlich vollzogen ist.
Oder müssen wir es später bereuen?

Schreibidee #32: Schreiben Sie die Geschichte eines geplanten oder eines ungeplanten Endes in Ihrem Leben.

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#31 — Was jemand anderes über mich sagte

Ich war im zweiten Semester und stand irgendwo, sicherlich mit einem Plastikbecher Kaffee in der Hand, auf den Gängen der »Philfak«, als das Gespräch auf unsere Kommilitonen kam. Den einen, der noch auf Promotion studierte und seit Urzeiten den stets gleichen Sitzplatz in der kleinen Bibliothek einnahm. Den begabten Zahnarzt, der sich mehr noch als für Kant für neue Geschäftsideen interessierte. Die begeisterten Anhänger eines kauzigen Altprofs, dem zu Leb- und Wirkzeiten eine eigene Ausstellung gewidmet werden sollte.

Da erzählte jemand von einem Studenten, von dem er bisher zwar bloß gehört habe. In mehreren Proseminaren sei er durch schlimmes Pfälzisch aufgefallen. Meine Güte, was man sich in diesem Fach alles anhören müsse!

Ich verstummte. In den folgenden Wochen übte ich, laut deklamierend, das »c-h« vom »s-c-h« zu scheiden, tat meiner Zunge Gewalt an, mochte mich selbst nicht mehr hören, war mein eigener Logopäde — bis ich halbwegs hochdeutsch klang.

So können Worte wirken, die andere über einen sagen. Auch, und vielleicht im besonderen Maße, wenn sie nicht für die eigenen Ohren gedacht sind.

Auch Tomas Tranströmer ist eine solche »indirekte Rede« im Gedächtnis geblieben (aus: »Die Erinnerungen sehen mich«):

Bo erzählte, das erstemal habe er über mich sprechen hören, als er in einer Pause an ein paar meiner Klassenkameraden vorbeikam. Sie hatten gerade schriftliche Arbeiten zurückbekommen und waren unzufrieden mit den Zensuren. Bo hörte die gereizte Replik:
»Schließlich können ja nicht alle so SCHNELL schreiben wie Trana!«
Bo entschied, »Trana« sei ein abscheulicher Kerl, dem man aus dem Weg gehen müsse. Für mich ist diese Geschichte in gewisser Weise tröstlich. Jetzt für mangelnde Produktivität bekannt, galt ich damals offenbar als Vielschreiber, als einer, der durch allzu große Produktivität sündigt, […]

Schreibidee #31: Schreiben Sie über das, was ein anderer über Sie gesagt hat. Beschreiben Sie die Situation, in der es Ihnen zu Ohren kam, und die Wirkung, die die Worte auf sie hatten.

Impulsfragen: Wie wirkten Sie in den Augen der anderen? Was sagten sie über Sie, wenn es nicht durch den Filter der Höflichkeit ging? Wie groß war die Differenz zwischen Selbst-Bild und Fremd-Bild, die Ihnen dadurch zu Bewusstsein kam? Was halten Sie von Feedback? Was motiviert(e) Sie stärker: Lob oder Tadel?

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#30 — Strand oder Berge?

Strand oder Berge

Mit 16 Jahren war ich zum ersten Mal am Meer. Es war die Nordsee in der Nähe von Cuxhaven und ich gebe zu, dass ich kaum beeindruckt war. Das ozeanische Gefühl blieb im Watt stecken. Gepackt hat es mich erst zwei Jahre später, mit 18 Jahren auf Interrail-Tour, auf der Fähre von Brindisi auf die Insel des Pelops, wo ich mich nachts an Deck wie Odysseus fühlte, der den Sirenen lauscht. Es gehörte seither zu meinen Lieblingswunschträumen, am Meer zu leben, und dabei dachte ich jahrzehntelang nur ans Mittelmeer. Die Frage »Strand oder Berge?« hätte ich in einer Tausendstelsekunde beantwortet.

Mächtiger vielleicht als die Landschaft, aus der wir stammen, die heimatliche Landschaft, wirkt in uns eine Landschaft der Sehnsucht. Aufgeschnappt im Urlaub oder erlesen in Romanen, gesehen in Illustrierten oder Kunstausstellungen. Ein fremdes und doch vertrautes Terrain, wo das Leben, so scheint es, ungehinderter fließen würde oder wird. Mittelmeer oder Alpenhütte, urbanes Dickicht, Glasfassaden, Strand oder Berge?

Schreibidee #30: Beschreiben Sie Ihre Sehnsuchts-Landschaft und woher Sie sie kennen.

Hinweis 1: Bleiben Sie bei Ihren Erlebnissen und Erfahrungen, wenn Sie die Landschaft beschreiben und auch, wenn Sie erzählen, wie Sie auf sie gestoßen sind oder sie erfunden haben. Überlassen Sie die Deutungen Ihren Lesern.

Hinweis 2: Vermeiden Sie alle bewertenden Adjektive (»schön«, »herrlich«, »angenehm«, »beschwerlich« etc.). Vermitteln Sie statt dessen ein konkretes Bild Ihrer Landschaft (»windig«, »zerklüftet«, »mit zotteligem Gras bewachsen«).

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#29 — Ein Missgeschick

Ein Missgeschick

Meine Frau und ich sind keine Autofans. Wenn wir nicht auf dem Land leben würden, würden wir völlig auf dieses schmutzige, teure und nervige Verkehrsmittel verzichten. Außerdem scheinen uns besonders viele Auto-Missgeschicke zu passieren. Wir vergaßen schon oder vergessen regelmäßig

  • Öl zu wechseln (mit erheblichen Folgen),
  • dass noch Fahrräder auf dem Dach standen,
  • rechtzeitig zum TÜV zu fahren,
  • dass wir eigentlich einen Werkstatt-Termin hatten,
  • Scheibenklar nachzufüllen,
  • das Auto ordnungsgemäß zu parken,
  • etc.

Offenbar steht unsere Vergesslichkeit in einem Zusammenhang mit dem anhaltenden Unwillen, Autos in unserem Leben zu akzeptieren.

Daher meine These: Es gibt zufällige und typische Missgeschicke. Typische Fehlleistungen sind solche, die wir zwar nicht absichtlich herbeiführen, aber dennoch irgendwie unbewusst anziehen. Durch mangelnde Aufmerksamkeit, heimliche Verachtung, Widerwillen gegen eine bestimmte Sache oder Tätigkeit oder durch groben Unverstand in einem bestimmten Bereich.

Schreibidee #29: Schreiben Sie die Geschichte eines Ihrer (typischen) Missgeschicke.

Hinweis 1: Schildern Sie Ihre Erlebnisse ausführlich und konkret. Sparen Sie nicht mit Selbstironie.

Hinweis 2: Natürlich muss es nicht um Automobile gehen …

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#28 — Ein Buch, das ich noch habe

Im Laufe der Zeit kam vieles weg. Wer zwei oder drei Umzüge lang Bücher schleppt, ist bereit, selbst lange gehegte Schätze aus Kindheit und Jugend abzugeben. Manche landen bei Kindern und Enkeln, andere auf dem Grabbeltisch beim Wohltätigkeitsbasar oder in den anonymen Bücherschränken der Stadt. Doch eines oder zwei der ganz alten, ganz lieben Bücher ist bestimmt auch übrig geblieben.

Ein Kuriosum aus der Kindheit, ein faszinierendes Stück Karton? Ein Jugendbuch mit Figuren, wie wir gerne gewesen wären. Oder ein als Reclam- oder Suhrkamp-Band verkleidete Weltmaschine, die uns die Augen öffnete. Ein Buch, das Ihr ganzes Leben veränderte?

Schreibidee #28: Schreiben Sie von einem Buch, das Sie bis heute behalten haben, weil es für Ihr Leben wichtig war.

Hinweis 1: Stellen Sie nicht nur den Inhalt des Buches dar, sondern schreiben Sie auch von der Lebenssituation, in der Sie es gelesen (oder vorgelesen bekommen) haben. Und welche Bedeutung es für sie hat.

Hinweis 2: Sie können auch von einem Buch schreiben, das abhanden gekommen ist. Es muss nur wichtig gewesen sein.

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