22. März 2020: Gewissensfragen

Im Magazin der Süddeutschen Zeitung beantwortet Dr. Dr. Rainer Erlinger seit Jahren »knifflige Fragen der Alltagsmoral«, wie die Süddeutschen forumlieren. Leider finde ich keine Nummer, unter der man ihn mal anrufen könnte.

Gestern ergaben sich gleich mehrere Fragen, für die wir ganz gut einen externen Berater hätten gebrauchen können. Jemanden, der die Sache unparteiisch beurteilt. Letzte Woche kam eher Gemurkse heraus, als wir das Treffen unserer Jüngsten mit drei Freundinnen erst erlaubten, dann — wegen der Bedenken anderer Erziehender — davon abrieten, schließlich in abgespeckter Form, ohne Übernachtung, wieder zuließen. Freundinnen sind das eine, doch wie ist es mit jungen Pärchen? Sie haben noch keinen Ort für sich, weshalb sie oft abwechselnd im einen, dann im anderen Elternhaus unterschlüpfen. Die idealen Virenboten. Wäre eines der Häuser infiziert, könnte das andere auch gleich einen Test anmelden.

Übrigens Tests: Weil sie die abstrakt, aus statistischen Gründen geforderte Distanz in ein konkretes »Ich hab’s — Ich hab’s nicht« überführen, könnten uns solche Tests von den Gewissensqualen befreien. Also her damit, schnell! Solange nicht genug zur Verfügung stehen (Warum eigentlich? Das google ich mal.), müssen wir die peinigende Güterabwägung fortsetzen. Hier das abstrakt-solidarische Verhalten, dort der konkrete Verlust. Wie beim Klimawandel, fällt mir ein.

Ein Glück: Das Kind ist volljährig. Die Familienkonferenz erklärt sich für nicht zuständig und belässt es bei einem vagen Appell ans sicherlich reichlich vorhandene Verantwortungsgefühl. Sofort die nächste Frage: Was ist mit unserer freundlichen, arbeitsamen und fast immer pünktlichen Putzhilfe?

Wir widerstehen der Versuchung, ihre Dienstleistung dem Wirtschaftsteil zuzuordnen. Schließlich dürfen sogar Frisöre noch praktizieren, nicht alle Angestellten arbeiten im Homeoffice, also warum nicht Putzleute ihre Arbeit tun lassen? Wir werfen derweil Handschuhe ins Treppenhaus und ziehen uns in die Schlafgemächer zurück.

Zweiter Versuch: Wir überlassen ihr die Entscheidung. Aber wird sie nicht denken, wenn sie fernbliebe legten wir ihr das als mangelnde Arbeitsmoral aus? Wir kennen uns noch nicht lange und unsere Kommunikation war bisher nicht ganz frei von Missverständnissen. Hinzu kommt das finanzielle Interesse … Erlinger, wo bist du? Letztlich entscheiden wir uns für einen lauwarmen Kompromiss: Wir sagen ihr zunächst nur für eine Woche ab und nehmen uns vor, ihren Verdienstausfall durch ein zukünftig üppigeres Trinkgeld wenigstens teilweise zu kompensieren. (Um unser Gewissen zu beruhigen). Hilfreiche Kommentare bitte in die Kommentarbox!

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