28. März 2020: Musiker privat

Ohne Publikum macht Showbiz keinen Spaß, darum ist es wahrscheinlich nicht nur der reine Altruismus, der derzeit viele Musiker dazu motiviert, Internet-Konzerte zu geben. Die Streaming-Technik ist inzwischen einfach genug, ob auf Youtube, Facebook oder Instagram. Manche Konzerte kann man nur live sehen, andere nachträglich auch als Aufzeichnung. Ich bin ein wenig umhergesurft, meinem persönlichen Geschmack und dem puren Zufall folgend.

  • Meine geliebte hr-Bigband, die ich in der nächsten Zeit gleich mehrfach nicht sehe, übt sich im Homeoffice.
  • Ich war erstaunt zu sehen, wie Reinhard Mey offenbar wirklich wohnt. Und wie bescheiden er auftritt.
  • Dota Kehr hat nicht nur ein Streamingkonzert auf facebook gegeben, sondern stellt auch Gitarrentutorials zum Nachspielen ihrer Lieder online.
  • Paul Simon hat am 19. März »American Tune« gesungen und gespielt. Das Lied, das wie kein anderes vom Vergehen der US-amerikanischen »Greatness« erzählt. Er schrieb es 1973, kaum zu glauben: »I don’t know a dream that’s not been shattered | or driven to its knees | But it’s all right, it’s all right | We’ve lived so well so long | Still, when I think of the road we’re traveling on | I wonder what went wrong | I can’t help it, I wonder what went wrong«
  • Aus Edmonton in Kanada kam vorgestern Tschaikovsky und mehr mit Cello und Klavier.
  • Chris Martin von Coldplay wirkt deutlich weniger starmäßig als sonst, nahm Wünsche entgegen, konnte aber nicht alles singen.
  • Norah Jones spielte ebenfalls vorgestern ein weiteres Mini Concert von Zuhause aus. Bei ihr habe ich immer das Gefühl, sie bräuchte eigentlich kein Publikum, sieht sich aber dazu verpflichtet, die Welt an ihrem Talent teilhaben zu lassen. Einige Tage zuvor spielte sie an gleicher Stelle »Patience« von Guns’n’Roses (die ich eigentlich nicht mag, aber hier habe ich keine Einwände, attraktiver Mann mit Steelguitar und Moustache im Hintergrund).
  • Julian Lage, einer der besten Jazzgitarristen der Welt, und die Songwriterin Margaret Glasby scheinen ein Paar zu sein. Das Ergebnis ist ein kleines Hauskonzert: Ein Folksong, würde ich sagen, mit einer perfekten Begleitung. Mit dem Hashtag #LivefromHome kann man von hier aus zu vielen anderen Hauskonzerten springen.
  • Frank Spilker von der Hamburger Band „Die Sterne“ sollte vielleicht noch etwas am Gitarrensound arbeiten.
  • Tom Jet (den Mann vom Foto oben) findet man auch auf Youtube. Keine Ahnung, wer er ist, er hat 7 Abonnenten und richtig viel Spaß beim Musik machen. Schön auch die Wahl des Jacketts zur klassisch roten Stratocaster. Er steht hier für die vielen Hobbymusiker, die die Fahne hochhalten — und ihre Begeisterung wahren, bis die großen und kleinen Bühnen endlich wieder aufgebaut werden.

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