29. März 2020: Gesprächsstoff

Für meinen wöchentlichen Schreibworkshop richtete ich eilends ein Internetforum ein. Am Freitag schlug ich dort das (wenig originelle) Thema »Chance in der Krise« vor — wobei ich den Blick der Teilnehmerinnen auf frühere Erfahrungen und Erfolge lenken wollte. Welche persönlichen Krisen oder Missgeschicke erwiesen sich am Ende doch als Glücksfall oder zumindest als Beginn einer Veränderung?

Doch keine der Frauen, die mitschrieben, konnte sich auf die Vergangenheit konzentrieren. »Ich schaffe es einfach nicht«, schrieb eine Teilnehmerin sinngemäß, »meine Gedanken von der gegenwärtigen Situation zu lösen.« Alle überlegten stattdessen, welche Chancen in der Corona-Krise liegen könnten.

Nicht viel anders erging es uns, als wir gestern zu dritt das Frühlingswetter zu einem Spaziergang nutzten. Einerseits wollten wir nicht ständig nur von Corona & Co. sprechen — dem Gesundheitssystem, der Situation in anderen Ländern (speziell: der USA), den Aussichten und Möglichkeiten für unseren Sommerurlaub –, andererseits fiel uns sonst wenig ein. Also schwiegen wir, die Gedanken (jedenfalls meine) wieder nur bei Corona. Man kann und muss ja seine Sorgen aussprechen, aber nicht unbedingt mehrmals am Tag.

Es gibt dieses Spiel namens »Gesprächsstoff«. Eigentlich besteht es nur aus Karten, auf denen interessante Fragen notiert sind. Erst einmal, am letzten Silvesterabend, haben wir es gespielt, d.h. uns über die vorgegebenen Fragen ausgetauscht. Wir waren nur zu dritt und die Zeit bis die Korken knallen kann an Silvester schon mal lang werden. Da hat es uns gute Dienste geleistet. Besonders an die Frage »Wohin möchtest du nie mehr?« (sinngemäß) kann ich mich noch gut erinnern. Und heute Abend werden wir die Karten wieder hervorholen. Um auf andere Gedanken zu kommen und einmal über etwas anderes zu sprechen als immer nur über über Corona.

P.S.: Die Psychologin Sophie Appl hat einen Blog ins Leben gerufen, bei dem es um die Angst in Zeiten von Corona geht. Er heißt »Be happy! Psychologische Tipps zum Umgang mit Angst bei Corona«. Appl möchte, dass sich sich auch Gastautor*innen an Ihrem Blog beteiligen (wie ich ja auch 🙂 ) und ihre Tipps zum Thema Lebensfreude und zur Vermeidung von Corona-Angst weitergeben. Denn die Angst ist gerade jetzt ein schlechter Ratgeber.

1 Kommentare

  1. Anneliese

    Ich habe am Freitag „Kölner Treff“ geschaut. Mir hat gefallen, was der Psychologe Dr. Leon Windscheid gesagt hat. Er schlug vor statt „Wo wäre ich jetzt lieber“ zu fragen und dann z. B. von den ganzen Reisezielen zu träumen, sich einmal die Frage zu stellen: Wo wäre ich gerade lieber nicht? In einem Flüchlingslager in Griechenland, in Syrien, auf Intensivstation …
    Diese Fragestellung macht deutlich, zumindest mir, wie gut es mir trotz allem noch geht. Ich gehöre zwar vom Alter her zur Risikogruppe, aber ich beziehe eine Rente. Ich kann meine Miete zahlen, mir was zum essen kaufen.
    Nicht, dass mir Corona nicht auch viel zu Denken gibt. Aber die Fragestellung verändert den Blickwinkel.

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