31. März 2020: Deep Work

Ich verließ die Schule mit der beruhigenden Gewissheit, dass der Sportunterricht nun für immer ausfallen würde. Die Reckstange war mein natürlicher Feind, und selbst die eine Urkunde, die ich — spät in der Oberstufe — für meine Leistungen bei den Bundesjugendspielen entgegennehmen konnte (bass erstaunt), versöhnte mich nicht mit dem Treiben auf dem verhassten Turnhallenparkett.

Erst mit 29 Jahren kehrte ich zurück zur Leibeskultivierung. Mit leichten Laufübungen im Erfurter Park und dann auf meiner Lieblingsstrecke nach Hochheim, an Schrebergärten und der Gera entlang. Der Grund für meiner Konversion war tatsächlich, dass ich Vater wurde und dem Kind, das bald auf der Welt kommen sollte, bei seinen ersten und zweiten Schritten noch läuferisch gewachsen sein wollte. Zu jener Zeit fuhr der Bus ohne mich los, wenn ich zu spät loskam, und ich stand fünf Minuten keuchend auf dem Bürgersteig.

Bald machte mir das Laufen Spaß (dass ich den Bus jetzt kriegte, befriedigte mich), und mit einigen Unterbrechungen blieb ich dabei. Leider bewahrt mich das Laufen, selbst mein halb-heroischer Halb-Marathon vor einigen Jahren, nicht vor den Rückenschmerzen, die das Dauersitzen vor Papier und Computer regelmäßig verursacht. Das Verhältnis von Körperlänge zu Muskelkraft spricht gegen mich. Soll ich das mal erklären? Nur Spaß. Ich versuche nicht, hier meine lückenlose Körper-Biografie zu entfalten. Zu peinlich das Ganze. Also Fast Forward >> Coronakrise.

Wer wie die Menschen in Südtirol unter Hausarrest steht, hat es schwer. In seinem Kommentar zu meinem Eintrag vom 27. März schrieb Hansjörg:

»Der Wald wäre für mich in kurzer Zeit zu erreichen; doch das ist nicht zulässig. So bleibt mir halt Indoor: Qi Gong, Feldenkrais und Muskeltraining, und der Tag auf Balkonien.«

Ich darf raus, aber Muskeltraining wäre auch in meinem Fall nötig. Doch welches? Manches Mal zuckte es mir im Ischias, so dass ich Tage nur gebückt lief, wenn ich die richtige Übung falsch ausführte (oder umgekehrt). Was half war »Deep Work« in meinen hiesigen Sportverein, immer Mittwochs von sieben bis acht Uhr, das mir meine schlaue Frau schmackhaft gemacht hat. Die bewegt sich, anderes als ich, nämlich bevorzugt in Gesellschaft. Und siehe da: Meinem Schweinehund gefiel es auch, zwischen schlanken und weniger schlanken Grazien und Grazios umherzuhüpfen und endlich einmal meiner Core-Muskulatur beizustehen.

Und ohne Verein? Heute, nach Tagen voller Rückenzwicken, konnte ich mich aufraffen, das passende Stichwort bei Youtube einzutippen, und fand tatsächlich auf Anhieb ein »Deep Work«-Video, das ein ganz ähnliches Fitnessprogramm vermittelte. Hochgeladen am 17. März. Sehr zu empfehlen! Und am Ende sagt Anna, die die Übungen (jederzeit auf Abruf) leitet: Bleibt gesund! Ich merke schon, wie es wirkt.

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