#38 — Was ich in der Schule fürs Leben lernte

In meinem Lehramtsstudium (lang ist’s her) war viel von heimlichen Lehrplänen die Rede. Damit meinte man alles, was Kinder jenseits der offiziellen Unterrichtsinhalte in der Schule lernen. Wie man unschuldig und wissend guckt, um nicht aufgerufen zu werden; wie man vermeidet, von den Mitschülern ausgelacht zu werden; bei welchem Lehrer man sich anpassen sollte, bei welchem man aufmucken kann und dergleichen. Solche »Lektionen« hinterlassen oft größere Spuren im Leben als das Wissen um französische Grammatik oder eiszeitliche Endmoränen. Zum Guten oder zum Schlechten.

Tomas Tranströmer schildert ein besonders drastisches Beispiel für eine solche »Lebenslektion«:

Hasse, ein großer dunkler Junge, der fünfmal so stark war wie ich, pflegte mich während des ersten Schuljahrs in jeder Pause niederzuringen. Anfangs leistete ich heftigen Widerstand, aber das nützte gar nichts, er streckte mich jedesmal triumphierend zu Boden. Schließlich ersann ich eine Methode, wie ich ihm den Spaß verderben konnte: totale Entspannung. Wenn er sich näherte, tat ich so, als wäre das, was ich selber war, weggeflogen und hätte nur eine Leiche zurückgelassen, einen leblosen Fetzen, den er nach Belieben niedertreten durfte. Das bekam er über.

Tomas Tranströmer: Die Erinnerungen sehen mich, Hanser Verlag München 1999, S. 30f.

Was sich für den kleinen Tranströmer als nützlich erwies, merkte er sich. Doch hatte er das Richtige gelernt?

Er schreibt weiter:

Ich denke darüber nach, was die Methode, sich selbst in einen leblosen Fetzen zu verwandeln, später im Leben für mich bedeutet haben mag. […] Habe ich nicht allzu oft darauf zurückgegriffen? Manchmal funktioniert sie, manchmal nicht.

Schreibidee #38: Erzählen Sie von einer Kenntnis, einer Gewohnheit oder Technik, die Sie während Ihrer Schulzeit gelernt haben. War sie für Ihr späteres Leben nützlich oder schädlich?

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