#79 — Erste Anzeichen

Vorboten des Frühlings. Zeichen des Klimawandels. Symptome für eine Krankheit oder für das Ende einer Beziehung. Eine Geste oder Wort, das Kinder aufmerken lässt: »Papa wird wütend!«

In Ihrem Roman »Streulicht« schreibt Deniz Ohde:

Ich kenne das Gesicht meines Vaters, ganz zu Anfang, wenn er es noch geheim halten will. Ich kenne seine hochgezogenen Brauen, […]

Ohde beschreibt die ersten Anzeichen einer Trunkenheit, die harmlos beginnt, aber stets im Zusammenbruch endet.

Es beginnt mit diesem Blick. Ich habe ich früh deuten gelernt, ihn aufgenommen in mein Zeichensystem, […]

Kinder erkennen oft die kleinsten Gefühlsregungen ihrer Eltern, denn sie sind auf ihr Wohlwollen angewiesen. Die Zeichen, die sie deuten, werden zu einem Teil ihres »Zeichensystems« — und damit zu einem Teil ihres Selbst, ihrer Weltsicht.

Welche Zeichen wir sehen, hat viel mit unserer Biografie zu tun. Ob wir die umgestürzten Fichten betrauern oder übersehen. Ob wir die Schmutzränder auf der Tischdecke bemerken. Die falsch einräumten Tassen. Ob uns die leeren Augen unseres Nachbarn auffallen. Ob wir wissen, welches Auto der Kollege fährt.

Erste Anzeichen sind Details, aber sie verweisen aufs große Ganze — darum sind sie literarisch reizvoll. Dem Leser erschließt sich ihre Bedeutung erst nach und nach.


Schreibidee #79: Beschreiben Sie die ersten Anzeichen eines Ereignisses oder einer Veränderung.


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