Erinnerungen sind wie Fische in einem Teich: Man weiß nie genau, wann welche an die Oberfläche kommen. Man kann nach ihnen angeln, aber man kann sich nicht sicher sein, das Erwartete zu fangen. Je nach Stimmung und gegenwärtiger Wetterlage kommen einmal mehr, einmal weniger zum Vorschein. Manchmal sind es welche, die jahrelang am Grund des Teiches geschlummert haben. Man braucht Geduld.

Wie gesalzene Fische an einer Leine zum Trocknen aufgehängt werden, lassen sich Erinnerungen schriftlich »zubereiten« und bewahren. So entstehen hausgemachte Delikatessen, die man mit anderen teilen kann.

Geduld ist ein wichtiger Teil dessen, was man beim Schreiben »Inspiration« nennt. Man beobachtet, die »Fische«, die einem in den Sinn kommen, macht Erfahrungen mit diesen »Geistesblitzen«, und lernt allmählich, welche man herausfischen sollte, um sie genauer zu betrachten.

Anstatt auf der abstrakten Ebene des Vergleichs zu bleiben, fordere ich bei dieser Schreibidee dazu auf, sich zunächst mit dem konkreten »Herausfischen« zu beschäftigen. Die Verbindung zum Vorgang des Erinnerns, den wir nur schwer bewusst steuern können, stellt sich dann vermutlich von selbst ein.

Wann hast du einmal etwas irgendwo herausgefischt? Waren es wirklich Fische oder andere Geschöpfe? Versenkte Schuhe oder eine Flaschenpost? Briefe aus einem Stapel oder einem Briefkasten? Fotos aus einer Kiste? Kleider aus einem Haufen? Etwas Leckeres aus einem (fremden?) Kühlschrank?


Schreibidee #82: Schreib davon, was du wo herausgefischt hast. Welche Rolle spielte dabei der Zufall? Überlege zuletzt (kurz): Warum fällt dir gerade diese Episode ein?