#91 — Namen

Namen

Namen besitzen einen eigenartigen Zauber. Sie scheinen auf geheimnisvolle Weise mit unserer Identität verbunden zu sein. Obwohl wir statt Stefan doch auch Michael oder Franz, statt Petra auch Sabine oder Lucette hätten heißen können.

Wir verstehen den Vorgang. In manchen Familien vergibt man gerne drei oder mehr Vornamen und ehrt Großeltern oder Taufpaten, indem man ihre Namen weitergibt. In manch anderen gibt es Karl senior und Karl junior. Und in wieder anderen hält man sich kurz, ein Vorname mit drei Buchstaben muss reichen. Kai oder Isa. Dennoch macht es einen Unterschied, ob man den eigenen Vornamen mag und gerne hört, oder ob man sich vielleicht mit 15 lieber für den Spitznamen entschieden hat. Ob man sich gar einen eigenen Namen einfallen ließ, für eine gewisse Zeit oder den Rest des Lebens.

Nicht zu vergessen: Der Nachname, gelegentlich mit »von« und »zu«, meistens ohne. Sollte man den akademischen Grad, einmal erworben und im Personalausweis als Namensbestandteil eingetragen, in der Unterschrift ergänzen? Und wie verhält man sich im Falle einer Heirat? Entscheidet man sich für die traditionelle Handhabung, für einen Doppelnamen oder die vermeintlich hübscheste Variante? (Ich nenne hier absichtlich keine Beispiele.)

Wie bist du zu deinem Namen gekommen? Mochtest du ihn als Kind, magst du ihn jetzt? Welcher andere Namen hat für dich eine wichtige Bedeutung? Gab es in deinem Leben einmal ein Namens-Dilemma?


Schreibidee #91: Schreibe eine Namens-Geschichte.


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1 Kommentare

  1. Helga F.

    Namen

    „Name ist Schall und Rauch“ läßt schon Goethe seinen Faust zum Gretchen sagen. Das mit den Namen ist tatsächlich so eine Sache.
    An den Vornamen kann man oft erkennen, wie alt die Namensträger sind – Kevin und Seline dürften jetzt so um die 25 Jahre alt sein und fünfzig Jahre älter Hans, Peter und Wolfgang oder Brigitte und Renate. Warum meine Zwillingsschwester Christa heißt und ich Helga, das habe ich nie so richtig erfahren. Die Namen haben ihr einfach gefallen, sagte meine Mutter, wenn ich sie danach fragte. Dass Helga ein nordischer Name ist, hat sie vermutlich nicht gewußt. Heutzutage wird dieser Vorname nicht oder kaum mehr vergeben, dann schon eher die russische Abwandlung Olga.
    Wer mit seinem Vornamen nicht zufrieden ist, kann – wenn vorhanden – auf seinen zweiten zurückgreifen oder sich eine Abwandlung des eigenen Namens geben, so wird aus Monika Moni oder aus Franziska Franzi. Aber vielleicht ist ja nicht jeder mit der Verkürzung seines Namens glücklich: Bärbel statt Barbara oder Resi statt Therese wird vielleicht nicht so gerne gehört. Es könnte aber auch auf einen erfundenen Namen ausgewichen werden; es muss ja nicht gleich – so wie Ringelnatz seine Frau nannte – „Muschelkalk“ sein.
    Da bereitete mir als kleines Volksschulkind mein Nachname schon mehr Kummer. Vor allem wenn in der Vorbereitung auf eine Wanderung oder den Klassenausflug fleißig das Volkslied „Im Frühtau zu Berge“ geübt wurde. Sobald die zweite Strophe erklang, drehten sich alle Köpfe zu meiner Schwester und mir – „Wer sollte aber singen wenn wir schon Grillen fingen in dieser herrlichen Frühlingszeit …“ Unser Familienname „Grill“ führte dazu, dass ich – schüchtern wie ich war – auf diese etwas feixende Aufmerksamkeit der anderen Kinder jedesmal mit einem hochroten Kopf reagierte. Diese Liedstrophe wurde auch noch wiederholt und erst das „… wir sind hinausgegangen den Sonnenschein zu fangen …“ brachte Erlösung.
    Lieber hörte ich dann doch viele Jahre später das immer freundlich zugewandte „Grillchen“ der Arbeitskolleginnen.
    Der Familienname ändert sich oft mit der Hochzeit. Aber auch das nicht mehr so selbstverständlich wie noch fünfzig Jahren. Heute kann man wählen und den eigenen Namen behalten, den „angeheirateten“ anhängen oder, wie früher, den Namen des Liebsten annehmen.
    Wenn einem der eigene Name partout nicht gefällt, wäre eine mögliche Alternative, ihn nach dem Namensänderungsgesetz ändern zu lassen. Aber würde das etwas ändern – bleibt man nicht der, der man ist?

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