#98 — Jahresrückblick

Jahresringe

Spätestens, wenn es auf Weihnachten zugeht, beschäftigt viele der Gedanke, wie rasch das letzte Jahr verging. War nicht eben erst noch Januar? An Silvester nehmen wir uns dann vor, das kommende Jahr besser zu nutzen, bewusster zu erleben. Und steuern direkt auf neue Enttäuschungen zu.

Denn solange wir »zielorientiert« denken, wie im Beruf, scheint die Zeit nie auszureichen. Das nächste Ziel, der nächste Gipfel, wartet immer schon am Horizont. Der Weg, den wir bereits zurückgelegt haben, scheint nicht der Rede wert zu sein.

Wie heilsam kann dagegen ein Rückblick sein! Lassen wir Revue passieren, was in den zwölf vergangenen Monaten geschah, was wir erlebten, was wir geleistet und erreicht haben. Wir bemühen unser Gedächtnis (und Notizbücher/Kalender/Fotografien), holen vieles hervor, was wir beinahe schon vergessen hatten. So wird klar: Das letzte Jahr war länger, voller, vielleicht auch schöner, als gerade noch gedacht.

Besonders ergiebig ist es, jeden Monat des letzten Jahres einzeln in den Blick zu nehmen. Schreibe für jeden Monat eine Seite in dein Notizbuch oder auf Karteikarten. Denn auch vermeintlich »normale« Zeiten, ohne Feste oder Ferien, brachten gute, erlebnisreiche Tage, wir leisteten gute Arbeit und hatten Erfolge, die nicht in Vergessenheit geraten sollen. (So entsteht, von Jahr zu Jahr, auch eine Art Lebensarchiv.)

Für einen summarischen Jahresrückblick ist weniger Erinnerungs-Arbeit nötig. Hilfsfragen dafür: Welche schönen Momente habe ich erlebt? Was habe ich neu gelernt? Wofür war ich dankbar? Was kam überraschend? Was machte mir besonders viel Spaß? Worüber ärgerte ich mich? Worüber konnte ich lachen? Was war der schwierigste/schönste Moment im letzten Jahr? Wovon musste ich mich verabschieden? Welches Gewohnheit möchte ich im nächsten Jahr beibehalten?


Schreibidee #98: Schreibe einen Jahresrückblick (monatsweise oder im Ganzen).


Hinweis: Ein solcher Jahresrückblick kann auch zur Grundlage für einen Jahresbrief dienen, den man zum Jahreswechsel an Freunde und Verwandte schickt.

2 Kommentare

  1. Helga F.

    Jahresrückblick – Jahresringe
    Das Bild der Baumscheibe mit den Jahresringen verleitet geradezu, sich wieder einmal Rückblick-Gedanken zu machen.
    Ich erinnere mich an einen Spaziergang nun schon vor etlichen Jahren. Wir sind durch den verschneiten Winterwald gestapft und an einem Stapel gefällter Bäume stehen geblieben. An einem konnte man ganz exakt die Jahresringe ausmachen und ich begann zu zählen – und kam auf über hundert Ringe, mal breitere mal schmalere, ausgeprägt je nach Wachstum des Baumes und klar erkennbar durch den dunkleren Abschluß gegen Ende der jeweiligen Wachstumsschicht. Und staunend und fast ehrfurchtsvoll stellte ich fest, dieser nun gefällte mächtige Baum begann zu wachsen, als meine 1895 geborene Pflegemutter ein kleines Kind war, hat ein langes Menschenleben beschattet und an der Wende des Jahrtausends um gut zwanzig Jahre überlebt. Was mag er wohl alles gesehen und überstanden haben an Stürmen, Unwettern, heißen Sommern, guten Winden und sanftem Schneefall … Rehe und Wildscheine, die unter seinen tiefhängenden Zweigen Schutz suchten und Mäuse und Eichhörnchen, die die Samen aus den Zapfen nagten … bis dann die Waldarbeiter kamen und die Säge ansetzten. Und selbst jetzt ist er weiterhin wertvoll und kostbar mit seinem alten Holz. Wer weiß, was daraus noch alles entstehen wird.
    Ich erinnere mich noch heute gerne an diese wunderschöne Baumscheibe, die mir auch ein Sinnbild für das Wachsen und Vergehen, für Jahresende und Jahresanfang ist.

  2. Urimua

    Was für eine Idee. Zurückblicken…
    Zeit – gebannt in Zahlen und Fakten?
    Das Wort klingt analytisch, distanziert. Anonym.
    Wann fühle ich mich gemeint?

    Ich spiele mit dem Wort… blicken … tasten… hören…
    Ich horche in den Klang der vergangenen Zeit.
    Etwas bewegt mich. Das letzte Jahr? Was ist geschehen?
    Es sind die Menschen, die mich verändert haben…

    So viele Tode dieses Jahr. Meine Wegbegleiter.
    Mit Namen und ganz eigener Lebenszeit.
    Mein Blick verschwimmt beim Erinnern. Ich horche weiter:
    Ja. Ihre Stimmen, selbst flüchtige Gespräche klingen nach –

    Miteinander geteilte Zeit ist ein Geschenk.
    Doch Unruhe bleibt, wo Schmerz und Gewalt war.
    Dorthin möchte ich rufen…noch heute,
    liebevoll geschenkte Lebenszeit hinterherschicken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Um die Kommentarfunktion zu nutzen, müssen Sie der Speicherung Ihrer Daten zustimmen.

*

Ich stimme dem zu.