Editorial

Soweit meine Surfausflüge im WWW mich bisher brachten, fand ich keinen (deutschsprachigen) virtuellen Ort, der sich als Forum für das (auto)biografische Schreiben versteht oder eignet. Viele Einzelanbieter, viele oft disparate Ratschläge, aber keine Möglichkeit, das Geschriebene zu zeigen und zu diskutieren. Und wo sich Schreibtipps finden, finden sich oft nur wenige Hinweise auf bereits Geschriebenes, auf Vorbilder in Form und Inhalt, an denen man sich orientieren könnte. Lesen und Schreiben wird fein säuberlich getrennt, als ob, wer selbst keine Biografien und Autobiografien liest, den Reichtum des biografischen Schreibens mit einigen Schreibimpulsen alleine aus sich selbst entdecken könnte.

Ich hatte die Idee einer Seite, die beides vereint: Anspruchsvolle Schreibideen für das biografische Schreiben und die Vorstellung autobiografischer Literatur. Jeder, der die Ideen aufgreift, sollte die Möglichkeit haben, einzelne Ergebnisse zu zeigen und womöglich Feedback einzuholen — ein virtueller Schreibkreis. Die Kommentarfunktion eines Blogs bietet sich als einfache Möglichkeit, so etwas technisch zu realisieren — das also ist biografika, das Magazin für Lebensgeschichten und biografisches Schreiben.

Was daraus wird, hängt von den Lesern und Schreibenden ab. Je mehr sich beteiligen, desto lebendiger und interessanter wird es. Dann könnte man nicht nur auf meine Schreibtipps zurückgreifen, sondern zugleich auf Beispieltexte, die diskutiert und verglichen werden könnten. Ein perfektes Übungsfeld für jeden Schreibenden. Wer originelle Schreibtipps parat hat, könnte sie hier ebenfalls veröffentlichen. Natürlich sind auch Rezensionen willkommen (oder Links auf externe Rezensionen) und überhaupt alles, was mit unserem Thema zu tun hat.

Einige Pläne warten noch in der Schublade, bis ich etwas Zeit für sie finde, lebensgeschichtliche Interviews mit interessanten Leuten, vielleicht etwas über Autobiografisches in der Kunst — ich will nicht alles verraten.

Uns und biografika wünsche ich einen guten Start! Dann habe ich hoffentlich bald Anlass, ein neues Editorial zu schreiben.

Stefan Kappner, am 26. Juni 2017