Let’s talk about … Solidarität

Ein Gastbeitrag

Im April hatten wir Karten für ein Stück in einem kleinen Theater in Wiesbaden. Es waren Geschenke, die mein Mann und ich zum Geburtstag bekommen hatten. Als klar war, dass die Theater noch geschlossen blieben, rief ich dort an und fragte, wie es nun aussähe. Man erklärte mir, dass ich die Karten spenden oder auf einen anderen Termin ausweichen könne. Das würde dem Theater helfen. Ich erklärte mich bereit, das Stück zu einem späteren Termin anzuschauen, und wählte einen Tag Ende Oktober. Hoffentlich sind die Theater dann wieder offen.

Die Maifestspiele fallen aus. Ich hatte meinem Mann zu seinem Geburtstag zwei Karten geschenkt. Und mir natürlich auch, damit wir die Abende gemeinsam genießen könnten. Mit der Absage der Festspiele bat das Theater, nach Möglichkeit die Karten in Gutscheine umzuwandeln oder zu prüfen, ob man auf die Erstattung verzichten könne.

Und nun wurde das Musikfestival abgesagt. Seit Jahren besuchen wir Veranstaltungen in diesem Rahmen und schenken Freunden*innen Karten, um Konzerte gemeinsam zu genießen. Ich wurde angefragt, ob ich ganz oder teilweise auf die Erstattung der Preise verzichten könne.

In einem Nachbarort hat vor noch nicht allzu langer Zeit ein kleines Café geöffnet. Öfter habe ich mich hier mit meiner Freundin zu einem Stück Kuchen oder einem gemeinsamen Frühstück getroffen. Auch sie mussten wie alle Cafés und Restaurants schließen. Auf der Suche, ob und wie man sie unterstützen könnte, besuchte ich ihre Homepage und erfuhr, dass sie am Wochenende jeweils für zwei Stunden geöffnet haben und Kuchen und Törtchen verkaufen. Also beschlossen wir: Wir backen in dieser Zeit keinen Kuchen mehr, sondern kaufen in dem kleinen Café ein. Und die Kuchen schmecken wirklich göttlich.

In unserem Dorf soll ein Bücherturm aufgestellt werden. Wir Dorfbewohner*innen sind gebeten, dazu eine Spende zu geben. Für je 10 € Spende gibt die Volksbank 5 € dazu. Es lohnt sich also!

Und dann gibt es noch die Organisationen , die ich ohnehin regelmäßig unterstütze.

Als Rentnerin bin ich in diesen Tagen privilegiert. Meine Rente kommt pünktlich. Ich muss meinem Vermieter nicht bitten, die Miete zu stunden. Ich bin nicht in Kurzarbeit oder gar arbeitslos geworden. Außerdem gebe ich seit dem Lockdown nicht viel Geld aus. Kein Cappuccino beim Stadtbummel. Auch kein Eis. Keine Besuche von Cafés und Museen mit Freundinnen. Also kann ich, wie manch andere auch, großzügig sein, solidarisch mit denen, die sonst für meinen Genuss sorgen, durch leckeren Kuchen, Theater und Musik.

Ich will, dass es das alles im nächsten Jahr noch gibt.

Anneliese

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