Schlagwort: Metapher

G#2 — Schreiben mit Dixit-Karten

3 Dixit-Karten

Dixit ist ein Gesellschaftsspiel mit wenigen Regeln und viel Fantasie (das „Spiel des Jahres“ 2010). Die Spieler müssen raten, welche der ausgelegten Spielkarten zu einem Begriff, einem Slogan, Sprichwort oder Satz passt, der vom jeweiligen „Erzähler“ verkündet wurde. Am meisten Punkte bekommt man, wenn die Karte weder von allen erraten wurde (nämlich bei einfachen Beschreibungen oder gängigen Gedankenverbindungen) noch von niemandem (wenn der Zusammenhang nicht nachvollziehbar ist).
Zusammen mit den wunderbar gestalteten Karten, von denen oben vier abgebildet sind, ergibt das eine reizvolle Aufgabe, die zum Gespräch anregt und den Wettkampf in den Hintergrund treten lässt.

Bemerkenswert: Die Herausforderung, vor der ein Dixit-Erzähler steht, entspricht der Herausforderung beim Schreiben: Wer eine Geschichte gut erzählen möchte (oder auch ein schönes Gedicht verfassen möchte), darf nicht einfach wiederholen, was ohnehin jeder denkt, also Klischees produzieren. Der Mörder sollte nicht der Gärtner sein, die Stiefmutter nicht unbedingt böse, der Urlaub nicht nur „unvergesslich“. Doch wer beim Schreiben andererseits nur neue, gewollt originelle Gedankenverbindungen verwendet, bleibt unverständlich. Er baut keine Brücke, über die der Leser oder Hörer ins Land seiner Fantasie gelangen könnten.

Schreibgruppenidee G#2: Die Teilnehmer suchen sich aus einer Auswahl von Dixit-Karten eine aus, ohne sie den anderen zu verraten. Dann schreiben sie zehn bis fünfzehn Minuten lang eine Geschichte zu dieser Karte. Nach dem Vorlesen sollen die anderen Teilnehmer raten, welche Karte sie im Sinn hatten.

Hinweis: Es bietet sich an, eine Gesprächsrunde anzuschließen, in der es um die Unausweichlichkeit der Biografie geht. Diskutieren Sie, wie stark die biografischen Bezüge sind, die in den Texten hergestellt wurden. Waren Sie Ihnen beim Schreiben bewusst? Erkennen Sie beim Vorlesen neue Verbindungen und Motive?

#10 — All‘ meine Wege

Reinhard Mey hat für beinahe alle Lebenslagen ein Lied parat. In seinem Lied „All‘ meine Wege“ singt er von einem Gefühl, das sich beim Rückblick auf das eigene Leben einstellen kann, das Gefühl von Stimmigkeit, das manche Schicksal nennen.

Doch, sicher, ab und zu mach‘ ich mir schon Gedanken,
Manchmal sogar les‘ ich mir selber aus der Hand.
Um zu erfahr‘n, was ich längst weiß, denn meine Schranken
Und meine Fehler, glaub‘ mir, sind mir gut bekannt.
Und ich weiß auch, daß ich genau dieselben Fehler
Wieder und wieder machen mußte, und ich seh‘
All‘ meine Wege und alle Schritte mußten dahin führ‘n, wo ich steh‘.

Hier können Sie den vollständigen Text lesen.

Stimmen Sie Mey zu, oder haben Sie im Gegenteil den Eindruck, dass es in Ihrem Leben viele Möglichkeiten gegeben hätte? Das Ihr gegenwärtiges Leben auch ganz anders sein könnte? Was halten Sie vom Begriff des Schicksals oder der göttlichen Fügung? Ich schlage vor, dass  Sie dieses Themas nicht abstrakt behandeln, sondern anhand eines ganz bestimmten Ereignisses in Ihrem Leben.

Schreibidee #10: Beschreiben Sie eine Phase in ihrem Leben, an dem sich die Wege kreuzten und eine Entscheidung fiel. Überlegen Sie, wie Ihr Leben verlaufen wäre, wenn es anders gekommen wäre. Bedenken Sie im Rückblick: War es Schicksal oder Zufall? Hätte es anders kommen können, oder mussten Ihre Schritte, wie Reinhard Mey singt, dorthin führen, wo Sie heute stehen?

Wenn Sie Lust haben, können Sie sich das Lied auch anhören. (Datenschutzhinweis: Wenn Sie das Video anklicken, wird Ihre IP-Adresse an YouTube übermittelt. Mehr dazu erfahren Sie in der Datenschutzerklärung.)

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#6 — Notaufnahme

Notaufnahmeschild

Jede/r war schon einmal in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Wegen eigener Beschwerden oder wegen der Krankheit eines Freundes, einer Angehörigen. Vielleicht nur, weil der Hausarzt gerade frei hatte oder in Urlaub war — vielleicht, weil er nicht weiter wusste oder der Krankenwagen direkt ins Krankenhaus fuhr.

Unfälle und Krankheiten sind einschneidende Erlebnisse, oft geben sie dem Leben eine neue Wendung. In modernen Industrieländern spielen diese Erlebnisse sich meistens in Notaufnahmen und Krankenhäusern ab. Die wenigen Minuten oder Stunden, die wir dort verbringen, sind voller Ängste, Hoffnungen, Sorgen, auch Wut und Dankbarkeit gegenüber den Ärzten und Pflegern, auf die wir angewiesen sind.

Schreibidee #6: Schreiben Sie davon, wie Sie einmal in der Notaufnahme waren.
Begrenzen Sie die erzählte Zeit (also den Zeitabschnitt, über den Sie berichten) auf Ihre Zeit dort. Wechseln Sie auch nicht den Ort. Beschreiben Sie, wie die Notaufnahme auf Sie wirkte und in welcher Situation Sie sich befanden.

Hinweis: Schreiben Sie nicht direkt, was von der Vorgeschichte zu erzählen ist, sondern berichten Sie von den Gedanken und Gefühlen, die Sie in der Notaufnahme hatten. So erfährt der Leser auch, was davor passierte, denn daran dachten Sie ganz bestimmt. Schreiben Sie auch nicht, wie die Geschichte ausging (die weitere Geschichte Ihrer Krankheit oder dessen, den Sie begleitet haben), sondern lassen Sie das Ende offen. Auf diese Weise können Sie sich ganz auf den zu erzählenden Moment konzentrieren.

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#5 — Luft

Möwenluft

Viertes und letztes Thema in der »Elemente«-Reihe. Siehe »Feuer«.

Gab es in Ihrem Leben Ereignisse, die Sie mit dem «Element Luft» in Verbindung bringen? Ein Himmelssturm, ein Tauchgang? Waren Sie der Luft wissenschaftlich auf der Spur (als Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoffdioxid), oder mussten Sie sich wehren gegen schlechte Luft? Welches Klima, welche Luft haben Sie erlebt?

Welche symbolische Bedeutung kommt Ihnen in den Sinn? Gehen Sie gelegentlich in die Luft? Geht Ihnen die Luft aus, oder ist da noch viel Luft nach oben? Die Luft umgibt uns ständig, begleitet uns unauffällig und ist gerade deshalb lebensnotwendig. Kennen Sie andere solche unauffälligen, scheinbar selbstverständlichen und zugleich lebensnotwendige Begleiter?

Schreibidee #5: Schreiben Sie eine luftige Geschichte. Beginnen Sie mit einem konkreten Erlebnis, bei dem Luft eine Rolle spielt. Versuchen Sie in einem zweiten Schritt, das Erlebnis mit dem symbolischen Gehalt der Luft in Verbindung zu bringen.

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#4 — Erde

Muttererde

Drittes Thema in der »Elemente«-Reihe. Siehe »Feuer«.

Gab es in Ihrem Leben Ereignisse, in denen (die) Erde eine zentrale Rolle spielte? Entweder als Planet Erde oder als fruchtbares Element im Garten oder auf dem Feld. Haben Sie als Kind gerne in der Erde gewühlt? Welches Verhältnis haben Sie zu Gärten, Feldern, Waldboden. Besitzen Sie Land oder möchten Sie welches besitzen? Warum?

Welche symbolische Bedeutung kommt Ihnen in den Sinn? Stehen Sie bodenständig mit beiden Beinen auf der Erde? Woran lässt sich das erkennen? Gefällt Ihnen die Idee von «Mutter Erde»? «Unter der Erde» ist Gold zu finden, oder auch das Grab. Woran denken Sie, wenn Sie das Bild zur Schreibidee betrachten?

Schreibidee #4: Schreiben Sie eine erdverbundene Geschichte. Beginnen Sie mit einem konkreten Erlebnis, bei dem (die) Erde eine Rolle spielt. Versuchen Sie in einem zweiten Schritt, das Erlebnis mit dem symbolischen Gehalt der Erde in Verbindung zu bringen.

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#3 — Wasser

Wasserfläche

Zweites Thema in der »Elemente«-Reihe. Siehe »Feuer«.

Gab es in Ihrem Leben Ereignisse, in denen das Wasser eine zentrale Rolle spielte? Hatten Sie Angst vor dem Ertrinken, oder waren Sie schon immer eine »Wasser-Ratte«? Haben Sie eine Überschwemmung erlebt? Wann sahen Sie zum ersten Mal das Meer? Kannten Sie quälenden Durst?

Was bedeutet Wasser für Sie als Symbol? Löst schon das Bild vom Wasser eine Reaktion bei Ihnen aus? Alles Leben, so sagt man, stamme aus dem Wasser. Christen lassen sich taufen. Rituelle Waschungen versprechen auch seelische Sauberkeit. Welche Bedeutung ist für Sie untrennbar mit dem Wasser verbunden — und wann in ihrem Leben ergab sich diese Verbindung?

Schreibidee #3: Schreiben Sie eine Wasser-Geschichte. Beginnen Sie mit einem konkreten Erlebnis, bei dem das Wasser eine Rolle spielt. Versuchen Sie in einem zweiten Schritt, das Erlebnis mit dem symbolischen Gehalt des Wassers in Verbindung zu bringen.

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#2 — Feuer

Nachtfeuer

Das Thema „Feuer“, so elementar, roh und archaisch wie es ist, spielt in jedem Leben eine Rolle. In seiner untergründigen Gegenwart widersetzt es sich der Einordnung in einen Lebenslauf, es ist kein Gliederungspunkt unter vielen. Statt dessen bildet es eine Art Kraftfeld, eine elementare Gegebenheit der Existenz, zu der man so oder so stehen kann. Das gilt auch für die nächsten drei Ideen. Zusammen bildet sie eine „Elemente-Reihe“.

Feuer begegnet Ihnen episodisch und symbolisch. Mit „Episoden“ sind Erlebnisse und Ereignisse aus Ihrem Leben gemeint, in denen das Feuer eine zentrale Rolle spielte: ein Martinsfeuer, eine Brandwunde, ein Hausbrand, Krieg? „Mit dem Feuer spielen“, „feurige Liebe“, „Gebranntes Kind scheut das Feuer“ – symbolisch oder metaphorisch ist das Thema „Feuer“ leicht zugänglich und äußerst ergiebig. Ist das Feuer Ihnen ur-sympathisch, jagt es Ihnen einen Schrecken ein? Gilt das ganz konkret, oder meinen Sie eher die symbolische Ebene, Feuer als Metapher?

Autobiografische Texte werden besonders intensiv, wenn es gelingt, die konkrete Erzählung des Lebenslaufs, eine Erinnerung, symbolisch „aufzuladen“, das heißt in einen Zusammenhang zu stellen, den ein Symbol, eine Metapher eröffnet. So erzählen sie eine Geschichte, und vermitteln zugleich Ihr „Lebensgefühl“, ihren früheren oder heutigen Charakter oder den eines Mitmenschen. Die Metapher vermittelt Ihnen beim Schreiben neue Perspektiven auf Ihr Leben. Ihre Leser spüren eine tiefere Dimension.

Schreibidee #2: Schreiben Sie eine Feuer-Geschichte. Beginnen Sie mit einem konkreten Erlebnis, bei dem das Feuer eine Rolle spielt. Versuchen Sie in einem zweiten Schritt, das Erlebnis mit dem symbolischen Gehalt des Feuers in Verbindung zu bringen.

Wenn Sie eine Feuer-Geschichte geschrieben haben, fände ich es toll, wenn Sie sie unten in die Kommentarbox kopieren würden. Damit geben Sie zugleich Ihr Einverständnis für die Veröffentlichung auf diesen Internetseiten. Ich wünsche Ihnen viele Leser — und reichlich hilfreiches Feedback.