Schlagwort: Selbstbetrachtung

# 19 — Ringe

Ring, Kopie

In dem erstaunlich interessanten Schmöker »Frauen und Kleider« der kanadischen und amerikanischen Autorinnen Leanne Shapton, Sheila Heti und Heidi Julavits geht es nicht um Mode im engeren Sinn oder deren Geschichte, sondern um die Rolle, die Kleider, Schmuck, das Anziehen und »Herausputzen« in den Biografien der 561 Frauen spiel(t)en, die zu Wort und Bild kommen. Eine von vielen darin dokumentierten Projekten zum Thema heißt »Ring-Zyklus«: »Fünfzehn Frauen aus einer Zeitungsredaktion fotokopieren ihre Hände und erzählen die Geschichte ihrer Ringe.«
Hier ein Beitrag (alle sind kurz, in einer Redaktion ist wenig Zeit):

ROBERTA ZEFF Diesen Ring hat mir mein Mann zum Hochzeitstag geschenkt, ich weiß nicht mehr zu welchem. Der kleine war ursprünglich der Ehering meiner Großmutter im Jahr 1963, als meine Großeltern noch nicht viel Geld hatten. Es ist ein ganz kleiner, unscheinbarer Ring. Später hatte sie viele spektakuläre Ringe, aber mit diesem hat sie angefangen, deswegen habe ich ihn immer geliebt. Er hat eine Inschrift. Es sind die Initialen meiner Großeltern und das Datum ihrer Hochzeit: H.P. und C.L., 2-1-36.

Schreibidee #19: Fotokopieren Sie Ihre Hand und schreiben Sie die Geschichte Ihres Rings/Ihrer Ringe auf die Kopie.

Hinweis: Ringe sind höchst symbolische Gegenstände. Betonen Sie die Symbolik nicht. Bleiben Sie konkret und lassen Sie die Bedeutung »durchscheinen«.

[Wie immer fände ich es toll, wenn Sie Ihren Text zu dieser Schreibidee unten in die Kommentarbox kopieren würden. Oder noch besser: Sie scannen die beschriebene Kopie ein und schicken sie an mail@biographie-service.de. Damit geben Sie zugleich Ihr Einverständnis für die Veröffentlichung auf diesen Internetseiten. Ich wünsche Ihnen viele Leser — und reichlich hilfreiches Feedback.]

 

 

10 berühmte Autobiografien

Viele Bücher

Viele wichtige Bücher im Feld der Lebenserinnerungen und Selbst-Betrachtungen werden andernorts im Internet vorgestellt. Hier eine Liste von zehn Werken aus den Jahren 1966 bis 2006, mit Links zu den jeweiligen Rezensionen. In chronologischer, keinesfalls wertender Reihenfolge. Eigentlich sollte man jedes dieser Bücher mindestens zwei Mal lesen. Einmal, um mehr von diesen Menschen und allem zu erfahren, was sie beschäftigte, und ein zweites Mal, um zu verstehen und zu genießen, wie sie davon erzählen.

  1. Carl Zuckmayer: Als wär’s ein Stück von mir (1966)
  2. Christa Wolf: Nachdenken über Christa T. (1968, Rezension von Marcel Reich-Ranicki)
  3. Marie Luise Kaschnitz: Orte (1973)
  4. Elias Canetti: Die gerettete Zunge (1977), Die Fackel im Ohr (1980), Das Augenspiel (1985)
  5. Anna Wimschneider: Herbstmilch. Lebenserinnerungen einer Bäuerin (1984)
  6. Ruth Klüger: weiter leben. Eine Jugend (1992)
  7. Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben (1999)
  8. Tomas Tranströmer: Die Erinnerungen sehen mich (1999)
  9. Barack Obama: Dreams from my father (2004, deutsch 2008)
  10. Günter Grass: Beim Häuten der Zwiebel (2006)