Schlagwort: Thema

#8 — Veränderung

In den Bach steigen (und ihn festhalten)

Es gibt unvermeidbare Veränderungen — wie das Älterwerden, unerwartete Veränderungen und solche, die wir selbst herbeiführen. Schleichend oder plötzlich, meistens unumkehrbar.

Ganz eigentlich besteht das Leben aus Veränderungen: »Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen«, schrieb Heraklit. Eine Geschichte ergibt sich, wenn man eine Veränderung aus dem ständigen Fließen herauspräpariert und das Vorher (Anfang), den Prozess der Veränderung (Mitte, Höhepunkt der Geschichte) und das Danach (Ende) im Zusammenhang darstellt.

Schreibidee #8: Schreiben Sie die Geschichte einer Veränderung. Beschreiben Sie zuerst den Zustand davor, dann den Moment oder den Prozess der Veränderung, schließlich das Ergebnis. Vergleichen Sie, zuletzt, dieses Ergebnis mit den Wünschen oder Erwartungen, die Sie hatten, bevor die Veränderung eintrat.

Hinweis: Ihr Text wird umso lebendiger und interessanter, je ferner Sie sich von Allgemeinplätzen halten. Schreiben Sie möglichst konkret.

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#7 — Lieblingslied

Plattenspieler

Vor einiger Zeit warb der dritte Radiosender des hessischen Rundfunks, hr3, damit, der Sender der »Lieblingssongs« zu sein. Hörer erzählten von den (zumeist romantischen) Geschichten, die sie mit den Liedern verbinden. Auf der Website von hr3 konnte man sich sein eigenes Lieblingslied wünschen. Dort wurde man gefragt: »Warum möchten Sie dieses Lied hören? (›Is cool‹ oder ›Weil ich es toll finde‹ reicht uns nicht. Etwas ausführlicher darf es schon sein! Songs mit einer guten Geschichte haben größere Chancen gespielt zu werden als die, bei denen nur ›Is cool‹ dabei steht.)«

Der Grund für ein Lieblingslied kann in einem äußeren oder einem inneren Zusammenhang liegen. Entweder etwas Schönes, Erinnerungswürdiges ist passiert — und gleichzeitig lief dieses Lied im Radio oder auf dem Plattenspieler, was uns seither und für immer an jenes Ereignis erinnert. Darum hören wir es auch immer wieder gern. Oder die Schönheit des Liedes selbst zieht uns an. Bei mir ist es meistens der Text, der den Unterschied macht — bei anderen ist es die Melodie oder der Stil, der Sound.

In seinem Lied »Lieder« singt Adel Tawil eine ganze Litanei seiner Lieblingslieder herunter (die man erst erraten muss, weil er den englischen Titel ins Deutsche überträgt), eine Kostprobe:

Und ich singe diese Lieder
Tanz' mit Tränen in den Augen (Lied: »Dancing with tears in my eyes« von Ultravox)
Bowie war für'n Tag mein Held (»Heroes« von David Bowie)
Und EMF kann es nich' glauben (»Unbelievable« von EMF)
Und ich steh' im lila Regen (»Purple Rain« von Prince)
Ich will ein Feuerstarter sein (»Firestarter« von Prodigy)
Whitney wird mich immer lieben (»I will always love you« von Whitney Housten)
Und Michael lässt mich nich' allein (»You are not alone« von Michael Jackson)

Zusammen ergibt das eine ganze musikalische Biografie — wenn die einzelnen Lieder auch etwas zu kurz kommen.

Schreibidee #7: Schreiben Sie die Geschichte eines Ihrer Lieblingslieder (oder Ihrer Lieblingsmusik). Es muss keine romantische Geschichte sein. Vielleicht ist es die Geschichte einer Entdeckung oder einer Erkenntnis (»Erleuchtung« durch Text oder Musik), die Geschichte einer Reise, einer Begegnung, einer bestimmten Zeit und ihrer Ideen …

Hinweis: Bleiben Sie so nahe wie möglich an dem, was konkret passierte. Widerstehen Sie der Versuchung, das Lied oder einen bestimmten Musikstil über andere Stile zu setzen oder es musikalisch zu verteidigen. Es geht nicht in erster Linie um den künstlerischen Wert des Musikstücks, sondern um die Bedeutung, die es in Ihrem Leben hatte oder hat.

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#6 — Notaufnahme

Notaufnahmeschild

Jede/r war schon einmal in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Wegen eigener Beschwerden oder wegen der Krankheit eines Freundes, einer Angehörigen. Vielleicht nur, weil der Hausarzt gerade frei hatte oder in Urlaub war — vielleicht, weil er nicht weiter wusste oder der Krankenwagen direkt ins Krankenhaus fuhr.

Unfälle und Krankheiten sind einschneidende Erlebnisse, oft geben sie dem Leben eine neue Wendung. In modernen Industrieländern spielen diese Erlebnisse sich meistens in Notaufnahmen und Krankenhäusern ab. Die wenigen Minuten oder Stunden, die wir dort verbringen, sind voller Ängste, Hoffnungen, Sorgen, auch Wut und Dankbarkeit gegenüber den Ärzten und Pflegern, auf die wir angewiesen sind.

Schreibidee #6: Schreiben Sie davon, wie Sie einmal in der Notaufnahme waren.
Begrenzen Sie die erzählte Zeit (also den Zeitabschnitt, über den Sie berichten) auf Ihre Zeit dort. Wechseln Sie auch nicht den Ort. Beschreiben Sie, wie die Notaufnahme auf Sie wirkte und in welcher Situation Sie sich befanden.

Hinweis: Schreiben Sie nicht direkt, was von der Vorgeschichte zu erzählen ist, sondern berichten Sie von den Gedanken und Gefühlen, die Sie in der Notaufnahme hatten. So erfährt der Leser auch, was davor passierte, denn daran dachten Sie ganz bestimmt. Schreiben Sie auch nicht, wie die Geschichte ausging (die weitere Geschichte Ihrer Krankheit oder dessen, den Sie begleitet haben), sondern lassen Sie das Ende offen. Auf diese Weise können Sie sich ganz auf den zu erzählenden Moment konzentrieren.

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#5 — Luft

Möwenluft

Viertes und letztes Thema in der »Elemente«-Reihe. Siehe »Feuer«.

Gab es in Ihrem Leben Ereignisse, die Sie mit dem «Element Luft» in Verbindung bringen? Ein Himmelssturm, ein Tauchgang? Waren Sie der Luft wissenschaftlich auf der Spur (als Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoffdioxid), oder mussten Sie sich wehren gegen schlechte Luft? Welches Klima, welche Luft haben Sie erlebt?

Welche symbolische Bedeutung kommt Ihnen in den Sinn? Gehen Sie gelegentlich in die Luft? Geht Ihnen die Luft aus, oder ist da noch viel Luft nach oben? Die Luft umgibt uns ständig, begleitet uns unauffällig und ist gerade deshalb lebensnotwendig. Kennen Sie andere solche unauffälligen, scheinbar selbstverständlichen und zugleich lebensnotwendige Begleiter?

Schreibidee #5: Schreiben Sie eine luftige Geschichte. Beginnen Sie mit einem konkreten Erlebnis, bei dem Luft eine Rolle spielt. Versuchen Sie in einem zweiten Schritt, das Erlebnis mit dem symbolischen Gehalt der Luft in Verbindung zu bringen.

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#4 — Erde

Muttererde

Drittes Thema in der »Elemente«-Reihe. Siehe »Feuer«.

Gab es in Ihrem Leben Ereignisse, in denen (die) Erde eine zentrale Rolle spielte? Entweder als Planet Erde oder als fruchtbares Element im Garten oder auf dem Feld. Haben Sie als Kind gerne in der Erde gewühlt? Welches Verhältnis haben Sie zu Gärten, Feldern, Waldboden. Besitzen Sie Land oder möchten Sie welches besitzen? Warum?

Welche symbolische Bedeutung kommt Ihnen in den Sinn? Stehen Sie bodenständig mit beiden Beinen auf der Erde? Woran lässt sich das erkennen? Gefällt Ihnen die Idee von «Mutter Erde»? «Unter der Erde» ist Gold zu finden, oder auch das Grab. Woran denken Sie, wenn Sie das Bild zur Schreibidee betrachten?

Schreibidee #4: Schreiben Sie eine erdverbundene Geschichte. Beginnen Sie mit einem konkreten Erlebnis, bei dem (die) Erde eine Rolle spielt. Versuchen Sie in einem zweiten Schritt, das Erlebnis mit dem symbolischen Gehalt der Erde in Verbindung zu bringen.

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#3 — Wasser

Wasserfläche

Zweites Thema in der »Elemente«-Reihe. Siehe »Feuer«.

Gab es in Ihrem Leben Ereignisse, in denen das Wasser eine zentrale Rolle spielte? Hatten Sie Angst vor dem Ertrinken, oder waren Sie schon immer eine »Wasser-Ratte«? Haben Sie eine Überschwemmung erlebt? Wann sahen Sie zum ersten Mal das Meer? Kannten Sie quälenden Durst?

Was bedeutet Wasser für Sie als Symbol? Löst schon das Bild vom Wasser eine Reaktion bei Ihnen aus? Alles Leben, so sagt man, stamme aus dem Wasser. Christen lassen sich taufen. Rituelle Waschungen versprechen auch seelische Sauberkeit. Welche Bedeutung ist für Sie untrennbar mit dem Wasser verbunden — und wann in ihrem Leben ergab sich diese Verbindung?

Schreibidee #3: Schreiben Sie eine Wasser-Geschichte. Beginnen Sie mit einem konkreten Erlebnis, bei dem das Wasser eine Rolle spielt. Versuchen Sie in einem zweiten Schritt, das Erlebnis mit dem symbolischen Gehalt des Wassers in Verbindung zu bringen.

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#2 — Feuer

Nachtfeuer

Das Thema „Feuer“, so elementar, roh und archaisch wie es ist, spielt in jedem Leben eine Rolle. In seiner untergründigen Gegenwart widersetzt es sich der Einordnung in einen Lebenslauf, es ist kein Gliederungspunkt unter vielen. Statt dessen bildet es eine Art Kraftfeld, eine elementare Gegebenheit der Existenz, zu der man so oder so stehen kann. Das gilt auch für die nächsten drei Ideen. Zusammen bildet sie eine „Elemente-Reihe“.

Feuer begegnet Ihnen episodisch und symbolisch. Mit „Episoden“ sind Erlebnisse und Ereignisse aus Ihrem Leben gemeint, in denen das Feuer eine zentrale Rolle spielte: ein Martinsfeuer, eine Brandwunde, ein Hausbrand, Krieg? „Mit dem Feuer spielen“, „feurige Liebe“, „Gebranntes Kind scheut das Feuer“ – symbolisch oder metaphorisch ist das Thema „Feuer“ leicht zugänglich und äußerst ergiebig. Ist das Feuer Ihnen ur-sympathisch, jagt es Ihnen einen Schrecken ein? Gilt das ganz konkret, oder meinen Sie eher die symbolische Ebene, Feuer als Metapher?

Autobiografische Texte werden besonders intensiv, wenn es gelingt, die konkrete Erzählung des Lebenslaufs, eine Erinnerung, symbolisch „aufzuladen“, das heißt in einen Zusammenhang zu stellen, den ein Symbol, eine Metapher eröffnet. So erzählen sie eine Geschichte, und vermitteln zugleich Ihr „Lebensgefühl“, ihren früheren oder heutigen Charakter oder den eines Mitmenschen. Die Metapher vermittelt Ihnen beim Schreiben neue Perspektiven auf Ihr Leben. Ihre Leser spüren eine tiefere Dimension.

Schreibidee #2: Schreiben Sie eine Feuer-Geschichte. Beginnen Sie mit einem konkreten Erlebnis, bei dem das Feuer eine Rolle spielt. Versuchen Sie in einem zweiten Schritt, das Erlebnis mit dem symbolischen Gehalt des Feuers in Verbindung zu bringen.

Wenn Sie eine Feuer-Geschichte geschrieben haben, fände ich es toll, wenn Sie sie unten in die Kommentarbox kopieren würden. Damit geben Sie zugleich Ihr Einverständnis für die Veröffentlichung auf diesen Internetseiten. Ich wünsche Ihnen viele Leser — und reichlich hilfreiches Feedback.

#1 — Nachbarn

Nachbarn

Nachbarn begleiten unser Leben — in Reihenhaussiedlungen ebenso wie in einsamen Gehöften. Auf die Entfernung kommt es weniger an als auf die Beziehung. Manche bleiben fremd, andere werden zu Freunden. Manche werden plötzlich wichtig, bei einem Unfall, durch einen Zufall. Wie wir mit unseren Nachbarn umgehen, über sie (nach)denken, sagt viel über die Umstände aus, in denen wir leben oder gelebt haben — wirtschaftlich, gesellschaftlich, familiär. Kennen wir alle mit Namen, die in der Straße wohnen? Das hängt von der Straße ab — und es hängt von uns selbst ab.

Als ich einmal wenig Zeit hatte, um einen biografischen Schreibtag vorzubereiten, fiel mir spontan dieses Thema ein. Es stellte sich als Volltreffer heraus. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin wusste Interessantes und Nachdenkliches zu berichten. Von der vergnüglichen Glosse bis zum eindringlichen Portrait war alles dabei. Und es wurde klar: Wenn wir über unsere Nachbarn schreiben, offenbaren wir auch viel von uns selbst. Bewusst oder unbewusst. Unsere Nachbarn halten uns den Spiegel vor.

Das Thema „Nachbarn“ lässt sich darum auf unterschiedliche Weise behandeln. Als Schilderung einer mehr oder weniger bedeutsamen Lebens-Episode (wie sie in einer Autobiografie vorkommen könnte) oder als Anstoß zu Texten, die eher der Selbsterkenntnis dienen: Wie gehe ich mit meinem Mitmenschen um? Wen mag ich, wen meide ich? Was gefällt mir an meinen Nachbarn, und vielleicht: warum?

Schreibidee #1: Schreiben Sie von Ihren Nachbarn. Picken Sie sich welche heraus: Nachbarn in Ihrer Vergangenheit oder die gegenwärtigen Neben-Bewohner im Haus, in der Straße. Sie können auch eine ganze Serie schreiben. Mit welchem Nachbarn, welcher Nachbarin verbinden Sie eine besondere Geschichte?

Wenn Sie eine Nachbarn-Geschichte geschrieben haben, fände ich es toll, wenn Sie sie unten in die Kommentarbox kopieren würden. Damit geben Sie zugleich Ihr Einverständnis für die Veröffentlichung auf diesen Internetseiten. Ich wünsche Ihnen viele Leser — und reichlich hilfreiches Feedback.